Eva Hesse

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Eva Hesse - Leseprobe Nr. 4        ( 1  2  3  4  5 )

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Idol Frau

   Indes der Futurismus die <Verachtung der Frau> auf sein Banner schrieb, indes Kubismus und Dada die zur Maschine abgestorbene Frau thematisierten, indes Wyndham Lewis sie literarisch zur animalischen Natur abstufte, indes D. H. Lawrence mit der gebildeten Frau so rüde ins Gericht ging, blieb Ezra Pound bei der romantischen Tradition der Verklä­rung der Frau als Muse und Inspiration des schöpferischen Mannes. Einige der idealtypischen Liebesgeschichten der abendländischen Literatur werden denn auch refrainartig in seinen Cantos eingesetzt und viel lyrischer Honig wird daraus gewonnen.

   Idol des Mannes in der Literatur zu werden (Idol, von  griech. <eidolon>: Bild),  ist für die Frau eine zweischneidige Ehrung, wird sie doch auf diese Weise um ihr Eigenleben gebracht.

   <Das lebendige Gedächt­nis wird der Frau entwunden, ein Bild, das andere sich von ihr machen, wird ihr untergeschoben: der entsetzliche Vor­gang der Versteinerung, Verdinglichung am lebendigen Leib. Zu den Sachen gehört sie nun> (Christa Wolf).

   Als Idol ist sie nur noch Spiegel, Wertspiegel desjenigen Mannes, der sie zu seiner Privatsache gemacht hat. Er erlaubt ihr nicht mehr, sich über die Grenze hinaus, die er ihr gesetzt hat, zu verlängern. Der Preis, den die Frau für ihre Verewigung im Kunstwerk entrichten muss, ist seit eh und je der Realitätsver­lust. Ob Dantes Beatrice, ob Petrarcas Laura, ob Shakespea­res <Dark Lady>, sie alle stellen Versuche des Dichters dar, die angebetete Frau als Komponente des eigenen Ich zu ver­einnahmen. Die Frau bleibt in der männlichen Verklärung ohne physische Existenz, sie ist eine anima-Figur des schöpfe­rischen Mannes, der die eigene Seele als Frau personifiziert, um sich im vollen narzisstischen Glanz der eigenen Schönheit zu sonnen.

   Das Wesen aller berühmten Liebesaffären des dichtenden Mannes mit dem <ewig Weiblichen> liegt darin, dass es ein Innenraumerlebnis ist, keine Öffnung zum Ande­ren. Die Befriedigung, die einer selbstbewussten Frau aus der Liebesbeziehung des Mannes mit sich selbst erwächst, liegt noch am ehesten in der Erkenntnis, dass derlei Entrealisie­rung letztlich auch den sensiblen Mann quält, beunruhigt und aus der Bahn wirft. Die amerikanische Dichterin Ma­rianne Moore macht das zum Thema ihres ironischen Ge­dichtes Die Ehe:

schlägt man unter <M> nach,
so liest man, dass

<eine Ehefrau ein Sarg ist>,

der gestrenge Gegenstand

mit der gefälligen Geometrie,

der einen Raum voraussetzt, keinen Menschen.

   In einer Anmerkung berichtet Marianne Moore, den Satz; <Eine Ehefrau ist ein Sarg> habe sie von Ezra Pound bezogen –  die verheiratete Frau ist eine <mummy> – was im Englischen sowohl Mumie wie Mama bedeutet. Die ideale Existenzform der Frau für den schöpferisch Mann ist auf jeden Fall die tote Frau, die nur noch in seiner Erinnerung lebt, man denke an die frühverstorbene Beatrice Dantes oder an die tote Laura Petrarcas. Das Kunstwerk des Mannes ist der Grabstein der Frau. Ihre Gestalt ist für alle Zeit fixiert in seinem Gedicht, das sie in zeitüberdauernder Schönheit einschließt und versteinert wie das Insekt im Bernstein:

Sag ihr, die solchen
Reichtum an die Luft verströmt,

Nur drauf bedacht, durch ihre Reize

Dem Augenblicke Blut zu geben:

Ich hieß sie gerne leben,

Den Rosen gleich, in Bernstein eingelegt,

Rot von Orange überronnen, allüberall

Von einem Stoff und einer Farbe eingehegt,

Der Zeit zum Hohn.

(Ezra Pound, Mauberley, 1920)

Aus Die Achse Avantgarde – Faschismus (1991)

 

 

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Eva Hesse ist bekannt als Autorin, Essayistin, Herausgeberin und
Übersetzerin. In knapp 50 Büchern und zahlreichen weiteren FB>
Veröffentlichungen hat Eva Hesse amerikanischen Dichtern wie Ezra
Pound, T.S. Eliot oder E. E. Cummings für das deutsche Publikum
entdeckt und ihren ganz eigenen Standpunkt zu aktuellen Zeitfragen
gefunden. Auf ihrer Homepage finden sich Leseproben und eine komplette
Bibliographie.

 

 

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