Eva Hesse

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Eva Hesse - Leseprobe Nr. 5        ( 1  2  3  4  5 )

Die Biografie von Ezra Pound finden sie hier.Eva Hesse, Eva, Hesse, Homepage, Autorin, Autor, Schriftstellerin, Schriftsteller, Veröffentlichungen, Auszeichnungen, Leseproben, Übersetzerin, Übersetzer

Ezra Pound

   Pound, ein Mann des Chaos, immer auf der Suche nach der Ordnung, hat nacheinander mehrere Ord­nungen durchprobiert und verworfen. Denn immer, wenn er ein Sinngefüge, eine Ordnung, ergriffen hat­te, löste sie sich unter seiner Hand wieder auf, wollte nicht die ganze Realität decken, schloss etwas aus oder enthielt dogmatische Zwänge, die ihn eineng­ten. Er aber wollte im tiefsten eine Ordnung, die von selbst durch <die Anziehungskraft> hält, eine Selbst­definition, die ihn nicht festlegte, sondern ihn <omniformis> (lat. allgestaltig, wandelbar) ließ, und eine Familie, <mit der wir nicht blutsverwandt, sondern temperamentsverwandt sind>. Es sollte mit anderen Worten eine Ordnung so weit, so einschließlich und so offen wie die ganze Welt, sein. Dass eine solche Ordnung aber eine ge­wisse Familienähnlichkeit mit der Unordnung hat, wollte ihm nicht in den Sinn. Und er erreichte das Ge­genteil des selbstgesetzten Zieles: die extreme Einen­gung seiner Existenz.

   Der Lohn für seine tief anarchische Motivation blieb nicht aus: Pound wird nie den Honoratioren­rang der <Geistesfürsten> erhalten, die aus den gro­ßen etablierten Ordnungen leben, und alles Störende ausschließen. Anders als seine beiden großen Lands­leute, Henry James und T. S. Eliot, die gleich ihm nach Europa kamen, um sich hier Wurzeln zu re­konstruieren, die ihnen für ihr Schaffen unerlässlich schienen, fand Pound alle Systeme der Alten Welt unzu­länglich und im Grunde zu ordentlich. Henry James akzeptierte (keineswegs kritiklos) die englische bür­gerliche Gesellschaft als den Bezugsrahmen seiner Romane; T. S. Eliot erklärte sich zum Monarchisten, Anglo-Katholiken und Regionalisten. Beide Dichter der Neuen Welt, der Welt der unbegrenzten Möglich­keiten, übernahmen also aus freien Stücken bereits verknöcherte Strukturen der Alten Welt. Pound dagegen fand in seinem Freiheitsdrang nir­gends festen Boden unter den Füßen. Doch indem er in seinen Cantos ein genaues Logbuch seiner Irr­fahrten und seines Scheiterns vorlegt, hat er eben die­ses Scheitern zu einem Bestandteil seines Gedichtes gemacht, nicht zu einem Urteil darüber.

Aus Ezra Pound. Von Sinn und Wahnsinn (1978)

 

 

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Eva Hesse ist bekannt als Autorin, Essayistin, Herausgeberin und
Übersetzerin. In knapp 50 Büchern und zahlreichen weiteren FB>
Veröffentlichungen hat Eva Hesse amerikanischen Dichtern wie Ezra
Pound, T.S. Eliot oder E. E. Cummings für das deutsche Publikum
entdeckt und ihren ganz eigenen Standpunkt zu aktuellen Zeitfragen
gefunden. Auf ihrer Homepage finden sich Leseproben und eine komplette
Bibliographie.

 

 

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